Die Indianer-Feminist_en

Die Indianer-Feminist_en

Bild: Imago | Tageswoche.ch.

Frau Funk schrieb vorgestern im Freitag über „die Barbie-Feministinnen“:

„Sie sind jung und westdeutsch, außen Feministin, innen leider Barbie – und ignorieren die Realität vieler Frauen, die längst emanzipiert leben.“

Frau Funk ist kein Mensch zweiter Klasse, weil Sie sich nicht wie einer behandeln lässt. Da dreht sie den Spieß lieber um und behandelt andere selbst so: Zynisch, spöttelnd und von oben herab. Ob unordentliche Langzeitstudentinnen, kleinwagenfahrende Malermeister oder natürlich auch Herrn Brüderle (ohne den allem Anschein nach kein Beitrag zur Frauenfrage mehr verfasst werden darf): Niemand kann ihr das Wasser reichen oder etwas anhaben.

Ich gönne Frau Funk ihren Erfolg und bewundere ihr Selbstvertrauen. Die Empathielosigkeit ihrer Zeilen ist ihr ja sicher genausowenig in den Schoß gefallen wie ihr Porsche, sondern hart erarbeitet: mit viel Fleiß, Tapferkeit und Disziplin. Denn in der DDR war es schließlich nicht nur selbstverständlich, dass Mütter arbeiten. Es war auch selbstverständlich, Kinder schon früh in eine staatliche Obhut zu geben, die kein Jammern duldete.

Ich bin als Tochter berufstätiger Eltern ein paar Kilometer weiter im Westen aufgewachsen. Da war ich als Schlüsselkind eher die Ausnahme. Meine Mutter wollte einfach, dass ich früh selbstständig werde, auf eigenen Beinen stehe, mich nicht von Männern abhängig mache. Ich habe davon profitiert, dass sie so emanzipiert – oder vielleicht eher eine starke Frau mit einem ziemlichen Dickkopf – ist. Anders als in der DDR war das allerdings nicht die Norm. Das hat es mir einfacher gemacht, auch die Schattenseiten wahrzunehmen. Ich kann mich noch daran erinnern, wie sehr ich geheult habe und wie groß meine Angst vor all den fremden Leuten war.  Ich hab gelernt damit umzugehen – und das ist auch gut so.

Trotzdem ist es ja nicht immer nur super alles mit sich allein abzumachen. Manchmal hätte ich es durchaus schön gefunden, jemanden an der Seite zu haben, der mich an die Hand nimmt und da ist. Jemanden, der Schwierigkeiten sieht, wenn sie sich stellen und nicht erst, wenn ich sie erzähle, nachdem ich mich allein hindurchgebissen habe. Das ist natürlich alles ist kein Grund zum Jammern. Verglichen mit den meisten anderen Zeiten und Ländern haben wir es hier und heute unglaublich gut!

Dennoch glaube ich, dass es durchaus gewinnbringend ist, auch die eigenen Verletzbarkeiten, Widersprüche, Schwächen und geplatzten Träume wahrzunehmen. Sich der großen Angst zu stellen, es irgendwann vielleicht nicht mehr allein aus eigener Kraft zu schaffen, der Welt zu trotzen. Nicht weil wir Frauen sind – sondern weil wir einmal alt werden und auch das Abhängigkeiten mit sich bringen wird.

Dann wäre es vielleicht auch möglich, wertschätzend und respektvoll mit Menschen umzugehen, die es – sozialdarwinistisch betrachtet – nicht so weit gebracht haben, wie wir selbst.

P.S.: Besten Dank dem geschätzten Onkel Maike für die Linkempfehlung und das klärende Vorgespräch!

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