Und wer sind Sie?

Und wer sind Sie?

Ich mag Wörter, die es nicht gibt aber dringend geben sollte. „Stehrumchen“ ist eines davon. Mir gefällt der Begriff – nicht das, was er bezeichnet. Also versuche ich bei derlei unbequemen Unbegreiflichkeiten nicht in Verlegenheit zu geraten. Leider gelingt dies nie. Vielleicht habe ich ja das Zeug zu einer Insel – doch unsichtbar werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. Eine Positionsbestimmung bleibt demnach unumschiffbar.

Damit das Stehrumchen nicht schon an den Begrüßungsritualen scheitert, bereite ich mich diesmal vor. Ich überlege frühzeitig, wer ich später zu sein gedenke: Rumstehend, vorgestellt werdend, mich personifizierend. Allein die Überlegung ist beklemmend.

Heute bin ich also *) von X.
*) Kollegin? Zu altbacken.
*) Partnerin? Zu zweideutig.
*) Kompagnon? Kann ich noch nicht mal sicher buchstabieren.
*) Stein des Anstoßes? Albern.
*) Bessere Hälfte? Vermessen.
*) Garstige Hälfte? Gekauft! Bis auf Weiteres.

Der Arbeitstitel steht also und muss vorerst reichen. Als garstige Hälfte von X. trage ich Goldboots zu multipler Ahnungslosigkeit an Scheißegal. Mit der Mode halte ich es wie mit dem Schachspielen: Ich habe keine Ahnung und setze auf unkonventionelle Eröffnungen, von denen ich mir einbilde, dass sie wenigstens Verwirrung stiften könnten. Vielleicht erzeugen sie auch nur Mitleid.

Jedenfalls finde ich mich ein, stehe herum, tue was ich zu tun habe und sehe aus, wie es mir möglich ist.
Ich werde gefragt und stelle mich vor und sage den zurecht gelegten Satz und stehe dahinter und stehe mir selbst im Weg und stehe verbindlich lächelnd herum und finde mich scheiße.

Zu keinem Zeitpunkt brechen die bodentiefen Fenster und Spiderman katapultiert sich mitten ins Geschehen.
Zu keinem Zeitpunkt beweist die Wirklichkeit Sinn für gutes Timing.

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