Was soll's?

Was soll’s?

Das Wiedersehen nach ein paar Jahren der Funkstille. Ganz unvermittelt steht da ein Mensch aus der Vergangenheit in meiner Gegenwart und konfrontiert mich mit dem, was ich war, als wir uns das letzte Mal begegnet sind. Und natürlich passt es nicht zu dem, was ich jetzt bin. Irritierte Blicke, unübersehbare Zweifel, höfliches Schweigen. Sollte ich etwas sagen? Versuchen zu erklären was aus meinem Idealismus geworden ist? Ich weiß es ja selbst nicht. Und ich möchte auch gar nicht darüber nachdenken. Weil es bittere und destruktive Gedanken sind, voller Klischees und mit einem faden Beigeschmack. Niemand kommt gut dabei weg, es gibt keine Moral, keine Helden und auch kein gutes Ende.

Verkürzt ließe sich sagen, dass mir mein Glaube und meine Werte abhanden gekommen sind. Es war nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert ist. Darum war es nicht mehr wirklich erschütternd oder gar weltbewegend. Ich habe mich bereitwillig aus der Bahn werfen lassen, so gut wie möglich abgerollt, die Kleider und Papiere geordnet, ein paar Mal Anlauf genommen und weitergelebt. So wie ich heute weiterlebe, wenn eine Liebe stirbt oder eine Hoffnung zerbricht. Die Welt geht nicht mehr unter und ich nicht mit ihr.

Mein junges Ich hätte mir Abgestumpftheit attestiert. Es hätte recht damit gehabt. Ich bin tatsächlich abgestumpft. Es kommt zwar durchaus vor, dass mir Dinge nahe gehen, mich berühren, empören und aufwühlen: Wut und Glück und Schmerz und der Hunger nach Leben. Das alles ist noch da. Nur der Glaube, dass all diese Gefühle eine Relevanz haben außerhalb meiner selbst: der hat sich in Luft aufgelöst – leider nicht in Wohlgefallen. Aus inneren Stimmen und richtungsweisenden Impulsen sind mehr oder weniger sinnlose Begleiterscheinungen des Lebens geworden. Zwar passe ich noch immer nicht ins Muster – aber ich will nichts mehr verändern, nichts mehr passender machen. Ich fühle mich nicht mehr im Recht und habe keine Idee, wie die Welt besser werden könnte als sie jetzt ist. Ich mache keinen Unterschied. Also nehme ich sie so hin, die Realität und die Menschen in ihr, und mich irgendwo dazwischen.

Ich kann mich nur zusammenreißen, aber nicht aus meiner Haut. Manchmal dauert es ein paar Jahre, bis ich wieder da ankomme, wo ich angefangen habe. Aber nie führen meine Wege nach Panama. Immer öfter überlege ich welchen Sinn es macht, überhaupt Nachrichten zu lesen, wenn sich nur noch der Zynismus daran nährt. Wenn Unrecht nur noch weh tut und nicht mehr dazu antreibt, für eine gerechtere Welt zu kämpfen.

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