Freispiel-Abzeichen

Freispiel-Abzeichen

Hallo Berlin, da bin ich nun, denn heute wird hier neben dem Goldenen Zaunpfahl für absurdes Gendermarketing zum ersten Mal auch eine “Hey-wie-schön-es-geht-ja-doch-Auszeichnung” übergeben: Das Freispiel-Abzeichen. Der Ansatz gefällt mir, darum mache ich da mit.

Ausgezeichnet wird das Team von Wildling Shoes, die Schuhe für alle kleinen, großen, schmalen, breiten und eigenwilligen Füße machen, “die da draußen herum laufen, hüpfen, springen, spazieren und wandern”. Über die Gründe für ihren Verzicht auf eine Kategorisierung nach Geschlecht haben sie gebloggt: „Über Räubertöchter und wilde Kerle – oder warum unsere Schuhe unisex sind“.

Frauenfüße werden also nicht als solche geboren, sie werden dazu gemacht.

Frei nach Simone de Beauvoir und inklusive Hammerzeh.

Das Freispiel-Abzeichen fiel nicht vom Himmel, sondern ist das Ergebnis vieler spannender und (für mich sehr) erhellender Gespräche. Und natürlich gehört dazu auch Kritik. Für eine Kritik bin ich besonders dankbar, weil sie meinem Denken auf die Sprünge geholfen hat.

Ich muss gestehen, dass die Ebene “sich gegen genderfeindliche Werbung wehren” nicht so meine ist. […] Wer wirklich die Welt verändern will, sollte woanders ansetzen und den ganzen Werbungs- und Konsumwahn allgemeiner kritisch angehen.

Jupp, das sollte man. Natürlich. Warum also den einen Blödsinn herausgreifen und in den Fokus stellen?

Weil ich befürchte, dass diese künstliche Trennung kindlicher Spielwelten unser Zusammenleben massiv verändert. Nicht nur, weil es individuelle Entwicklungsmöglichkeiten einschränkt, sondern weil es verhindert, dass Kinder MITEINANDER spielen und lernen sich in diversen Gruppen zurechtzufinden.

Wir sind nicht alle gleich und erst recht nicht selbstverständlich. Unsere Wünsche, Grenzen, Werte, Ängste, Temperamente, Empfindungen und Empfindlichkeiten unterscheiden sich so sehr! Es ist (zumindest für mich) wirklich schwierig und kompliziert, so miteinander umzugehen, dass niemand missverstanden, verletzt, ausgeschlossen oder übergangen wird. Es fordert so viel Empathie und Offenheit, immer einen Konsenz zu finden. Es braucht so viel Unbefangenheit und Mut, sichtbar zu werden und einander wirklich kennenzulernen.

Wie soll das bitte gehen, wenn 50% der potentiellen Freund*innen immer nur “die in der anderen Ecke sind, die sich mit unverständlichem Kram beschäftigen”? Ist das eine Grundlage, auf der man später easy zusammen arbeiten, Sexualität leben und Familien gründen kann? Wann soll man bitte anfangen, anders tickende Identitäten verstehen zu lernen? In der Paartherapie oder im Coaching-Seminar?

Um nun also auf den Punkt zu kommen: Nein, ich glaube nicht, dass man mit einer Initiative wie dem Freispiel-Abzeichen die Welt verändern kann. Aber ich weiß, dass Gender Marketing die Welt verändert, und mir das ganz und gar nicht passt. Darum möchte zumindest versuchen, etwas dagegen zu tun.