Kleinster Nenner

Kleinster Nenner

Es schneit. Es ist Ostern. Ich lese gefühlte 1000 Tweets über Klimawandel und Erderwärmung. Sie sollen lustig sein.

Es ist Ostern. Der Hund frisst Schnee und ist glücklich. Der Mann sagt: Es ist genau wie in den Modellen. Die Arktis schmilzt und Europas Winter werden kälter.

Der Hund frisst Schnee. Papst Franziskus setzt Akzente. Millionen Menschen halten eine leibhaftige Auferstehung für möglich und sind davon überzeugt, dass ausgerechnet Folter mit Todesfolge dazu führt, dass sie persönlich am Ende ihres Lebens moralisch besser dastehen.

Es schneit. Alles ist weiß. Die farblichen Unterschiede werden nivelliert. Die Vielfalt summiert sich zu Graustufen.

Es hat geschneit. Der politische Frühling ist gescheitert. Am Ende gewinnt die Masse und die Masse ist unterbelichtet. Warum nur? Warum summiert sich nicht das Wissen all ihrer Teile? Warum hat nicht die Vielfalt Bestand? Warum ist am Ende immer alles farblos, grau und stumpf?

Der kleinste gemeinsame Nenner ist wohl einfach dumm. Naturgemäß.

Es ist Ostern. Ich schüttel müde den Kopf und lese Tweets über Erderwärmung und Haarspray. Sie sind lustig, weil sie auch von den Dümmsten verstanden werden. Sie verdrängen Fakten und werden zu Entscheidungen. Der Frühling lässt auf sich warten.

Die Zeit zur Erderwärmung

Foto: Stefan Bauckmeier

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