Vom Wesen der Schönheit

Vom Wesen der Schönheit

Schönheit ist ein Begriff, der in Ungnade gefallen ist. Ein retuschiertes Trugbild, das Menschen dazu bringt, sich zu quälen, zu hungern, ihre einzigartig geformten Körper zerschneiden und nach Normvorgaben wieder zusammen nähen zu lassen.

Schönheit gleicht dem Hochglanzprospekt einer Scheinwelt, neben der jede Wirklichkeit fade, fleckig, zerknittert, verwachsen und unzureichend ausgeleuchtet wirkt.

Wer über Schönheit spricht, rührt an offene Wunden und läuft Gefahr Schmerzen zu verursachen. Schönheit gilt als elitär, ausgrenzend, oberflächlich, kalt, herz- und gnadenlos. Sie wird mit Perfektion gleichgesetzt und mit Neid gestraft.

Schönheit, heißt es, liegt im Auge des Betrachters. Doch was ändert das, wenn subjektive Blicke lediglich Normvorgaben verinnerlicht haben? Können wir einem Betrachter glauben, dass er an uns als schön empfindet, was er bei sich selbst ablehnt?

Schöne Gesichter, lese ich in der FAZ, werden leichter vergessen.
Einer Studie entnehme ich, dass sich Attraktivität in erster Linie durch Mittelmäßigkeit auszeichnet.

Von Christian Morgenstern lerne ich:

Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.
Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.

Und plötzlich passt all das zusammen … als schön wird empfunden, was nah und vertraut ist. Entweder, weil man es schon tausendfach gesehen hat – oder weil man es liebt und tagtäglich mit Hingabe betrachtet.

Der zweite Weg scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

Foto: Aschevogel

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